Spiegel & Rahmen

Hier finden Sie Spiegel, Rahmen und Garderoben, vom vergoldeten Prunkspiegel bis zum schlichten Pfeilerspiegel. Die Rahmen sind geschnitzt oder mit Masse verziert, vergoldet, versilbert oder aus poliertem Holz.

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Trumeau und Pfeilerspiegel

Der Trumeau ist der Mauerpfeiler zwischen zwei Fenstern, und so heißt auch der hohe, schmale Spiegel, der dort hängt.1 Pfeilerspiegel meint dasselbe. Oft stand ein Konsoltisch darunter, über dem Glas sitzt häufig ein geschnitztes oder gemaltes Feld. Ein Pfeilerspiegel war also für eine bestimmte Wand gemacht, Höhe und Breite folgen dem Abstand der Fenster.

Paar Pfeilerspiegel im Louis-XVI-Stil, Holz geschnitzt und versilbert, Ende 18. Jh. Im Bestand Paar Pfeilerspiegel im Louis-XVI-Stil 1.290 € · A962

Altes Spiegelglas

Bis ins 19. Jahrhundert belegte man Spiegel mit Zinnfolie und Quecksilber. Justus von Liebig führte 1835 die Versilberung mit Silbernitrat ein, bis zum Ende des Jahrhunderts löste sie das Amalgam ab. Weil beide Verfahren lange nebeneinander liefen, datiert der Belag allein einen Spiegel nicht. Unterscheiden lassen sie sich trotzdem. Hält man ein weißes Blatt davor, spiegelt Amalgam kühl und leicht bläulich, Silber warm und gelblich. Die Rückseite eines Amalgamspiegels ist oft unversiegelt, ein Silberbelag fast immer mit Farbe oder Lack geschützt. Amalgam altert mit dunklen Sprenkeln und glitzernden Stellen, Silber mit gelblichen Rissen und Flecken, wo Feuchtigkeit eindringt. Einen alten Spiegel hängt man am besten nicht um und hält das Klima gleichmäßig.2

Glas und Rahmen muss man getrennt beurteilen. Bei einem englischen Spiegel um 1675 im Victoria and Albert Museum passt die Glasstärke zur Zeit, der Facettenschliff deutet aber auf eine Platte aus dem 18. Jahrhundert.3

Französischer Kaminspiegel, versilberter und vergoldeter Wulstrahmen, Ende 19. Jh. Im Bestand Französischer Kaminspiegel 750 € · A852

Geschnitzt oder gepresst

Um 1800 wechselte das Rahmenornament von der Schnitzerei zur Masse. Die Rahmenmacher kochten sie aus Kolophonium, Leinöl, Tierleim und Kreide und drückten sie in geschnitzte Formen aus Buchsbaum, das ging schneller als Schnitzen. Masse reagiert auf Temperatur und Feuchtigkeit, sie reißt und schwindet. Hinterschneidungen, also Stellen, die sich aus keiner Form lösen ließen, sprechen für Schnitzerei.4 Ein Rahmen mit Masseornament gehört damit eher ins 19. Jahrhundert und braucht ein gleichmäßiges Raumklima.

Großer vergoldeter Rahmen im Louis-seize-Stil, Holz geschnitzt, Frankreich, 19. Jh. Im Bestand Großer Rahmen im Louis-seize-Stil 1.190 € · A974

Vergoldung

Bei der Polimentvergoldung, auch Wasservergoldung genannt, liegt das Blattgold auf Kreidegrund und Bolus, einem Tonbett. Der Vergolder poliert sie mit einem Achat auf Hochglanz. Wasser schadet ihr, vergoldete Rahmen staubt man deshalb nur trocken ab. Ölvergoldung hält auch im Freien.5 Unter einer Ölvergoldung liegt meist ein gelber Grund, unter einer Wasservergoldung ein pflaumenfarbener bis roter Bolus.4 An abgeriebenen Kanten lässt sich die Technik so oft erkennen.

Trumeau-Spiegel im Empire-Stil mit vergoldetem Adlerrelief, Frankreich Im Bestand Trumeau-Spiegel im Empire-Stil 850 € · A1051

Berliner Leisten

Um 1840 kamen Rahmenleisten auf, die echt versilbert und mit Goldlack überzogen sind. Man nennt sie Berliner Leisten, Waschgoldleisten oder unechte Goldleisten. Ihre Blüte hatten sie in den 1870er Jahren, das Zentrum war Berlin. 1877 verzeichnete das Berliner Adressbuch fast 60 Fabrikanten von Bilder- und Goldleisten, 1905 waren es 135. Mit den Jahren reibt sich die Lasur ab, darunter kommt dunkel angelaufenes Silber zum Vorschein, an den Kanten oft auch der Kreidegrund.6 An diesen Stellen ist ein solcher Rahmen gut von einer echten Vergoldung zu unterscheiden.

Garderobe, Eisenguss, schwarz lackiert, wohl Frankreich, 20. Jh. Im Bestand Garderobe aus Eisenguss 550 € · A959

Anmerkungen

  1. Duden online: Trumeau. ↩
  2. Lane, Joshua/Grayburn, Rosie: Fade to Black. Reflections on the Aging Process of Mirror Glass. Winterthur Primer. In: Antiques & Fine Art, Winter 2020. ↩
  3. Victoria and Albert Museum: Spiegel, England, um 1675. Inv. W.26-1947. ↩
  4. Moore, Adrian: The Framing of John Constable’s Salisbury Cathedral from the Meadows. In: Tate Papers 33 (2020). ↩
  5. Howell, Kevin: Gilding. In: The Building Conservation Directory 1999. ↩
  6. Rahmenkunde an Beispielen (1). Rahmen aus Berliner Leisten. In: GLASWELT 2/2001. ↩

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