Jugendstil
In Frankreich und Belgien heißt der Stil Art Nouveau, in Deutschland Jugendstil, nach der Münchner Zeitschrift „Jugend“. Geschwungene, florale Linien lösen sich von den historischen Vorbildern, in Wien entwickelte die Wiener Werkstätte ab 1903 eine strenge, geometrische Spielart. Hinter vielen Stücken stehen Werkstätten wie die Vereinigten Werkstätten in München oder die Dresdner Werkstätten.
Werkstätten und Serien
In Frankreich und Belgien heißt der Stil Art Nouveau, in Deutschland Jugendstil. Hinter vielen Jugendstilmöbeln stehen Werkstätten mit bekannten Entwerfern. In München gründete Richard Riemerschmid 1898 mit anderen jungen Künstlern die Vereinigten Werkstätten.1 Im selben Jahr gründete Karl Schmidt in Dresden die Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst. 1906 stellte er dort Riemerschmids „Dresdner Hausgerät“ vor, das erste deutsche Maschinenmöbel.2 Ein Jugendstilmöbel kann also auch Serienware sein, gebaut nach dem Entwurf eines namhaften Künstlers.
Im Bestand 6 Jugendstil-Stühle 720 € · A941 Wien
Die Wiener Werkstätte entstand 1903 auf Initiative des Architekten Josef Hoffmann, zusammen mit dem Maler Koloman Moser und dem Mäzen Fritz Waerndorfer. Sie wandte sich vom floralen Jugendstil ab und einer geometrisch abstrakten Gestaltung zu. 1932 löste sie sich auf, ihr Archiv besitzt heute das MAK in Wien.3 Streng geometrische Möbel aus der Zeit um 1905 gehören deshalb oft zum Wiener Jugendstil, auch wenn sie an das spätere Art Déco erinnern.
Im Bestand Bücherschrank im Chippendale-Stil 500 € · A1036 Metall und Silber
Die WMF in Geislingen fertigte Jugendstilstücke auch aus versilbertem Britanniametall, einer Zinnlegierung.4 Ob ein Stück aus Silber ist, zeigt der Stempel. Seit 1888 darf Silbergerät in Deutschland seinen Feingehalt nur angeben, wenn er bei 800 Tausendteilen oder mehr liegt, und versilberte Ware darf keinen Feingehaltsstempel tragen. Versilberte Bestecke und Tafelgeräte dürfen stattdessen eine Zahl für das Gewicht der Silberauflage tragen.5
Im Bestand Göttin der Nacht als Kerzenleuchter 480 € · A817 Porzellan
Auch die großen Manufakturen nahmen den neuen Stil auf. Meissen schrieb 1896 einen Wettbewerb für ein modernes und preiswertes Frühstücksservice aus. Daraus entstand das florale Krokus-Service, das 1900 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen war.6 Jugendstilporzellan der Manufakturen trägt deren übliche Marken. Wie man die Meissener Schwertermarke datiert, steht unter Dekoration & Raritäten.
Im Bestand Meißen, „Ziegenhirtin“ von Otto Pilz 1.190 € · A872 Anmerkungen
- Gruhn-Zimmermann, Antonia: Riemerschmid, Richard. In: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 598–599. ↩
- Arnold, Klaus-Peter: Schmidt (seit 1938 Ehrenname Schmidt-Hellerau), Karl Kamillo. In: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 201–203. ↩
- Stadt Wien: Wiener Werkstätte. In: Wien Geschichte Wiki. ↩
- KreisMuseum Zons: Toilettengarnitur, 8-teilig, WMF, um 1900. Objektdatenbank museum-digital:rheinland. ↩
- Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884. In Kraft seit 1. Januar 1888. ↩
- Gardiner Museum, Toronto: Partial Krokus Coffee Service, Meissen 1896. Sammlungsdatenbank. ↩
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