Mobiliar

Den Schwerpunkt der Antikdiele bilden antike Möbel vom 18. Jahrhundert bis zum Jugendstil, besonders viele aus dem Biedermeier. Sie sind aus den Hölzern ihrer Zeit gearbeitet, aus Mahagoni, Birke, Nussbaum und Kirsche, und manche tragen noch ihre alte Fassung. Unser Tischler pflegt und restauriert sie in der eigenen Werkstatt.

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Furnier und Blindholz

Die meisten guten Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts sind furniert. Der Tischler leimte eine dünne Lage Edelholz auf einen Korpus aus Blindholz, meist Nadelholz. So reichte ein schön gemaserter Stamm für viele Möbel, und der Korpus verzog sich weniger als massives Holz. Lange sägte man das Furnier von Hand, um 1820 liefen die ersten Furnierschneidemaschinen, und danach kamen dünnere, maschinell gesägte und bald auch geschälte Furniere in den Handel.12 Fehlt an einem alten Möbel ein Stück Furnier, braucht die Ergänzung dieselbe Stärke wie das Original, sonst steht sie vor oder liegt tiefer.

Paar klassizistische Eckschränke aus massiv Ahorn, Deutsch, Mitte 19.Jhd. Im Bestand Paar klassizistische Eckschränke 4.290 € · A1067

Farbig gefasste Möbel

Die farbige Oberfläche eines Möbels heißt Fassung. Der Fassmaler malte Füllungen und Ornamente, oft auch eine Maserung, die ein teureres Holz vortäuscht. Viele Möbel tragen mehrere Fassungen übereinander. Welche Schicht die älteste ist, klärt ein restauratorischer Befund. Restauratoren legen dafür zunächst kleine Probefelder frei.3 Beim Abbeizen gehen die älteren Schichten verloren. Mehr zu gefassten Bauernmöbeln steht unter Barock & Rokoko.

Wir führen Möbel mit erhaltener alter Fassung und solche, die unser Tischler nach historischen Motiven, etwa des Barock oder des Klassizismus, neu gefasst und mit Patina versehen hat. Das macht er auf Wunsch auch an Möbeln aus dem Lager oder aus Kundenbesitz.

Biedermeier Bücherschrank mit lichtgrauer Fassung, Deutsch um 1840 Im Bestand Biedermeier-Bücherschrank, lichtgrau 950 € · A1069

Pflege und Raumklima

Antike Möbel halten am besten bei 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte, und die Werte sollten gleichmäßig bleiben. Heizkörper und pralle Sonne setzen dem Holz zu, Risse und gelöstes Furnier zeigen sich oft erst Wochen später. Silikon- und Sprühpolituren gehören nicht auf alte Möbel.4 Eine Schellackpolitur reinigt man trocken oder nebelfeucht. Massives Holz arbeitet quer zur Faser, in der Länge kaum. Eine runde Tischplatte aus massivem Holz ist nach langer Zeit deshalb oft leicht oval.

Gustavianische Kommode, 18. Jhd., mit vier Schubladen, farbig gefasst Im Bestand Gustavianische Kommode 1.190 € · A1070

Holzwurm

Der Holzwurm hinterlässt runde Ausfluglöcher von 1,5 bis 2 mm. Alte Löcher sind dunkel, frische hell und scharfkantig, mit Bohrmehl darunter. Altes Bohrmehl rieselt beim Transport aus den Gängen und zeigt keinen Befall an. Eier und junge Larven überleben unter 12 Prozent Holzfeuchte oder 55 Prozent Luftfeuchte nicht, in trockenen, geheizten Räumen ist ein Befall deshalb meist längst erloschen. Gesundes Kernholz der Eiche befällt der Holzwurm nicht.5

Bei aktivem Befall gibt es zwei Verfahren, die ohne Gift auskommen. Kleinere Stücke friert man ein, dicht in Folie verpackt, damit sich beim Auftauen kein Kondenswasser am Holz bildet.6 Größere Möbel kommen in eine Stickstoffkammer. Dort sinkt der Sauerstoff unter 2 Prozent, und die Insekten ersticken in allen Lebensstadien. Die Behandlung hinterlässt keine Rückstände und greift weder Farben noch Bindemittel oder Metall an.7

Gründerzeit-Bücherschrank mit Säulenpilastern, Eiche Im Bestand Gründerzeit-Bücherschrank, Eiche 400 € · A1047

Alter und Reparaturen prüfen

An fast jedem alten Möbel hat im Lauf der Zeit jemand repariert, und diese Reparaturen lassen sich oft datieren. Die Restauratoren des Getty Museums konnten an einer Pariser Kommode um 1750 zwei Eingriffe an den Schraubentypen auseinanderhalten und einen dritten an modernen Drahtnägeln auf die Zeit nach etwa 1880 setzen. Bronzebeschläge hat man seit Jahrhunderten nachgegossen, nachziseliert und neu vergoldet, am Stil allein lässt sich ihr Alter nicht ablesen.8 Woran man Schrauben, Maschinenarbeit und Leim zeitlich einordnet, steht auf der Seite Biedermeier.

Gründerzeit-Schrank mit Wurzelnussfurnier, zweitürig Im Bestand Gründerzeit-Schrank, Wurzelnussfurnier 400 € · A1045

Aus der Werkstatt

Unser Tischler frischt Schellackpolituren auf, restauriert Möbel aus dem Bestand und aus Kundenbesitz und gibt ihnen auf Wunsch eine farbige Fassung mit Patina. Unrestaurierte Möbel aus dem Lager richtet er nach Ihren Wünschen her. Für die Restaurierung eigener Möbel erstellen wir ein kostenloses Angebot. Mehr dazu unter Expertise & Werkstatt.

Biedermeier-Kleiderschrank mit Spitzgiebel, Birke, Berlin um 1830 Im Bestand Biedermeier-Schrank mit Spitzgiebel Auf Anfrage · A1058

Anmerkungen

  1. Zander, Christian: Maschinisierung des Tischlerhandwerks im 19. Jahrhundert. Gedanken zum Vordringen einer neuen Technik. Nach Peter Benje, Die Einführung der maschinellen Holzbearbeitung und ihre Auswirkungen auf Betriebsformen, Produkte und Fertigung im Tischlereigewerbe während des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Diss. TU Darmstadt 2001. ↩
  2. Ottomeyer, Hans/Schlapka, Axel: Biedermeier. Interieurs und Möbel. München: Heyne 1991. ↩
  3. Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum: Holzkonservierung am Beispiel des Walbaum-Kabinetts. ↩
  4. Icon, The Institute of Conservation: Caring for your collections. Furniture. ↩
  5. English Heritage: Furniture Beetle or Woodworm. Pest Fact Sheet No. 2. ↩
  6. Strang, Thomas J. K.: Controlling Insect Pests with Low Temperature. Canadian Conservation Institute, CCI Notes 3/3, Ottawa 1997. ↩
  7. Schweizerisches Nationalmuseum, Sammlungszentrum: Information zur Schädlingsbekämpfung durch Stickstoff. Merkblatt, Affoltern am Albis. ↩
  8. Wilson, Gillian/Heginbotham, Arlen: French Rococo Ébénisterie in the J. Paul Getty Museum. Los Angeles: J. Paul Getty Museum 2021, Kat. 16 und Anhang XRF. ↩

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