Dekoration & Raritäten

In unseren Ausstellungsräumen stehen Glas, Porzellan und Silber, Uhren und viele Einzelstücke, die sich keiner anderen Abteilung zuordnen lassen.

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Porzellanmarken

KPM zeichnet seit 1763 mit einem kobaltblauen Zepter unter der Glasur. Seit 1803 zeigt ein zusätzlicher Reichsapfel, dass die Manufaktur das Stück selbst bemalt hat. Fehlt er, stammt die Malerei bis auf wenige Ausnahmen von außerhalb. Ein Schleifstrich durch das Zepter kennzeichnet die zweite Sortierung, die KPM grundsätzlich weiß verkaufte. Die Form der Marke hilft beim Datieren, ein „S“ steht etwa für die Jahre 1944 bis 1957, als die Manufaktur nach Selb ausgelagert war. Die Buchstaben „KPM“ ohne Zepter führte auch die Krister Porzellan-Manufaktur in Waldenburg.1

Meissen führt die gekreuzten Schwerter seit den 1720er Jahren, verbindlich seit 1731.2 Ein Stern zwischen den Griffen steht für die Jahre 1774 bis 1814, Knäufe an den Griffen für die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1924, ein Punkt für 1924 bis 1934. Schleifstriche über den Schwertern bedeuten Weißware oder eine geringere Sortierung.3

Antike Porträttasse mit Untertasse (sogenannte Königin-Luise-Tasse) der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), verziert mit einem rosa Fond und einem Reliefporträt. Im Bestand Königin-Luise-Tasse, KPM 700 € · A1064

Kopien

Edmé Samson gründete 1845 in Paris eine Firma, die bis 1969 Porzellan im Stil von Meissen, Sèvres und Chelsea und chinesisches Porzellan nachbildete. Ihre Marke ließ sich entfernen und durch falsche Marken ersetzen. Samson arbeitete in Hartporzellan, auch wo viele Vorbilder aus Weichporzellan sind.4 Bei Porzellan im Stil des 18. Jahrhunderts lohnt deshalb neben der Marke der Blick auf die Masse.

Biedermeier-Vase, Porzellan, Schumann Berlin, mit Widmung von 1854 Im Bestand Biedermeier-Vase, Schumann Berlin 550 € · 368

Biedermeiergläser

Anton Kothgasser (1769–1851) behielt bis 1816 seine Stelle als Goldmaler der Wiener Porzellanmanufaktur und bemalte daneben Glas mit transparentem Email, angeregt durch Gottlob Samuel Mohn. Von ihm sind zahlreiche Ranftbecher erhalten, mit Ansichten von Wien, Porträts, Blumen, Tieren und Spielkarten.5 Friedrich Egermann in Böhmen brachte 1809 das Achatglas auf den Markt, 1820 Gläser mit Silberätzung, und ließ sich 1828 das Lithyalinglas patentieren, ein Glas, das wie Edelstein aussieht. Lithyalin entstand in seinen Werkstätten von 1828 bis 1840.6 Pressglas ahmte ab den 1830er Jahren auch in Europa die Muster des Schliffglases nach.7 Woran man es erkennt, steht unter Beleuchtung.

Geschnitzter Hirschkopf mit naturbelassenem Geweih, Deutsch,     18. Jhd. Im Bestand Geschnitzter Hirschkopf mit Geweih 1.200 € · A1053

Silberstempel

Bis 1887 rechnete man den Silbergehalt in Lot, 16 Lot waren reines Silber. 12 Lot entsprechen 750 Tausendteilen, 13 Lot 812,5 und 14 Lot 875.8 Vor 1888 trägt deutsches Silber meist nur Stadt- und Meistermarke, Jahresbuchstaben wie in England waren in Deutschland unüblich. Halbmond und Krone stehen für Silber und das Reich.9 Seit dem 1. Januar 1888 gilt das Feingehaltsgesetz. Silber darf seitdem nur mit 800 oder mehr Tausendteilen gestempelt werden, zusammen mit dem Firmenzeichen. Versilberte Bestecke tragen stattdessen eine Zahl für die Silberauflage.10 Eine 90 oder 100 auf einem Löffel heißt also versilbert, eine 800 steht für Silber mit 800 Tausendteilen.

Paar geschnitzte Wandpaneele mit Jagdmotiven „Fuchs und Hase“ Schwarzwälder Schnitzarbeit Im Bestand Paar Wandpaneele „Fuchs und Hase“ 250 € · A1043

Uhren

Um 1815 entstand in Wien die Rahmenuhr, eine Wanduhr in einem vergoldeten Holzrahmen mit geprägter Messingfront.11 Der Wiener Regulator ist eine Pendeluhr mit Gewichtsantrieb im verglasten Gehäuse, gebaut für einen genauen Gang.12 Bei französischen Pendulen stammen Werk und Gehäuse oft aus verschiedenen Werkstätten. An einer Pariser Tischuhr um 1860 in der Sammlung der Banco de España stammt das Gehäuse vom Bronzier G. Schmoll, das Werk von Vincenti & Cie in Montbéliard, einem Hersteller von Rohwerken. Beide Namen stehen auf dem Werk.13 Wer eine Pendule prüft, schaut deshalb auch auf die Werkplatine. Woran man eine Feuervergoldung erkennt, steht unter Kunst.

Biedermeier-Rahmenuhr, Wien um 1840 Im Bestand Biedermeier-Rahmenuhr, Wien 1.190 € · A563

Anmerkungen

  1. Art. „Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  2. Deutsches Patent- und Markenamt: Gekreuzte Schwerter. Reihe „30 Jahre Einheit, Ostmarken“. ↩
  3. Art. „Meißener Porzellan“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  4. Art. „Edmé Samson“. In: Wikipedia (englisch), abgerufen am 22.10.2026. ↩
  5. Wirth, Peter: Kothgass(n)er, Anton. In: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 621. ↩
  6. Schlosser, Ignaz: Egermann, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 328. ↩
  7. Victoria and Albert Museum: Deckelschale „Ribbed Ivy“, Boston & Sandwich Glass Co., um 1860. Inv. C.14:1, 2-2012. ↩
  8. Art. „Feingehalt“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  9. Art. „Silberstempel“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  10. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884. In Kraft seit 1. Januar 1888. ↩
  11. Wien Museum, Uhrenmuseum: Rahmenuhr, Inv. U2909. ↩
  12. Art. „Regulator (Uhr)“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  13. Banco de España, Colección: Reloj de sobremesa, um 1860, Kat. R_67. ↩

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