Beleuchtung
Unter unseren Leuchten finden Sie Kronleuchter, Wandlüster, Deckenlampen und Laternen, vom Prismenbehang bis zur Lampe der Zwanzigerjahre. Leuchten aus der Zeit vor dem elektrischen Licht in den Wohnungen wurden fast alle nachträglich elektrifiziert.
Glas und Kristall
Fast alle englischen Kronleuchter des 18. Jahrhunderts sind aus Bleiglas, die Leuchter vom Kontinent aus Kalk-Natron-Glas. Unter UV-Licht leuchten beide Glassorten verschieden, so lassen sich ergänzte Teile in einem Behang finden.1 „Kristall“ ist ein Handelsbegriff. Als Bleikristall darf nur Glas mit mindestens 24 Prozent Bleioxid verkauft werden.2
Im Bestand Kronleuchter im Maria-Theresia-Stil 750 € · A679 Behang und Gestell
Die Glashütten gossen die meisten Behangteile zuerst in eine Grundform und schliffen sie danach. Ein gegossener Rohling schließt Handschliff also nicht aus. Flache Behangteile mit geschliffenen Rändern und auf Draht gezogene Perlen sprechen für eine Herkunft vom Kontinent. Im Rokoko hing jedes Teil an einem eigenen Draht, im Klassizismus kamen Ketten aus abgestuften Behangteilen dazu, von Spitze zu Spitze gehängt. Ende des 18. Jahrhunderts übernahmen Metallgestelle die Last. Die Metallteile eines Glasschafts tragen eingeschlagene Nummern, die beim Zusammenbau helfen.
Die alten Kettenstifte sind aus Kupferdraht, der mit den Jahren spröde wird. Restauratoren ersetzen sie durch Stifte aus Messing. Messingstifte an einem alten Behang sind deshalb meist eine Erneuerung.1
Im Bestand Kristalllüster im Louis-XIV-Stil 1.150 € · A955 Pressglas oder Schliff
Glas zu pressen, entwickelten amerikanische Hütten Anfang der 1820er Jahre zur Serienreife, in den 1830er Jahren kam das Verfahren nach Europa. Die Muster ahmten geschliffenes Glas nach.3 Beim Pressen berührt die Form nur die Außenseite, innen bleibt das Glas glatt. Typisch sind feine Wellen dort, wo das heiße Glas auf die kalte Metallform traf.4 Wer einen Behang oder ein Glas prüft, achtet deshalb auf diese Wellen und auf die Innenseite.
Im Bestand Prismen-Wandleuchter, Messing 420 € · A344 Kerze, Gas und Strom
Kronleuchter waren für Kerzen gebaut, im 19. Jahrhundert kam das Gas dazu. Strom kam spät in die Wohnungen. 1910 hatten erst 3,5 Prozent der Haushalte in den Großstädten einen Anschluss, Ende der 1920er Jahre etwa die Hälfte.5 Eine Leuchte aus der Zeit davor ist also fast immer nachträglich elektrifiziert. Beim Umbau bohrte man oft Löcher in die Teile und zwängte Kabel in zu enge Hohlräume, manche Leuchten sind auch mit zu dünnem Draht verkabelt.1 Eine alte Verkabelung sollte deshalb ein Elektriker prüfen, bevor die Leuchte ans Netz geht.
Im Bestand Art-déco-Deckenlampe, Nussbaum 750 € · A673 Aufhängen und Reinigen
Haken in gewöhnlichen Deckendosen sind oft nur bis 10 Kilogramm ausgelegt, die Befestigung eines Kronleuchters muss ein Vielfaches seines Gewichts tragen.6 Vor dem Kauf eines großen Leuchters lohnt deshalb ein Blick an die Decke. Zum Reinigen nimmt man den Behang ab, beschriftet die Teile und reinigt jedes einzeln mit einem weichen Pinsel und leicht feuchter Watte.
Im Bestand Deckenlüster im Louis-XIV-Stil 820 € · A919 Anmerkungen
- Reilly, Julie A./Mortimer, Martin: The Care and Conservation of Glass Chandeliers. In: Journal of the American Institute for Conservation 37 (1998), Nr. 2, S. 149–172. ↩
- Rat der Europäischen Gemeinschaften: Richtlinie 69/493/EWG über Kristallglas. 1969. ↩
- Victoria and Albert Museum: Deckelschale „Ribbed Ivy“, Boston & Sandwich Glass Co., um 1860. Inv. C.14:1, 2-2012. ↩
- Keegan, Jasmine: Year of Glass. Cut vs. Pressed. Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum, 18.03.2022. ↩
- VDE: 100 Jahre Leben mit Strom. ↩
- Baunetz Wissen: Installieren von Beleuchtungsanlagen. ↩
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