Kunst
Zu unserem Bestand gehören Ölgemälde, Aquarelle, Bronzen und Skulpturen. Gemälde lassen wir von geprüften Fachrestauratoren restaurieren, und für Werke aus Ihrem Besitz erstellen wir Wertgutachten.
Bronze prüfen
Beim direkten Wachsausschmelzguss geht das Wachsmodell verloren, beim indirekten bleibt es erhalten, und der Gießer arbeitet mit einer Wachskopie. Innen zeigt ein Wachsguss oft Pinselspuren, Tropfen und Fingerabdrücke, wo der Gießer das Wachs eingestrichen oder angedrückt hat. Ein einzelnes Merkmal beweist dabei wenig, manche Sandgüsse hielt man schon für Wachsgüsse.1 Auch die Patina datiert eine Bronze nicht. Werkstattpatina ist meist dünner und gleichmäßiger als eine natürlich gewachsene, und schon seit der Renaissance haben Gießer und Restauratoren Bronzen neu patiniert.2 Industrieschrauben an einer Bronze von vor etwa 1850 stammen von einer späteren Reparatur.3
Im Bestand Rodin, Der Denker (Nachguss) 1.100 € · A860 Feuervergoldung
Feuervergoldete Bronze erkennt man am Quecksilber, das sich mit Röntgenfluoreszenz fast immer nachweisen lässt. Typisch sind Spritzer und Läufer. Ende des 19. Jahrhunderts beendeten Schutzvorschriften das Verfahren in Europa fast ganz, seit der Jahrhundertmitte vergoldete man meist galvanisch, mit gleichmäßiger Schicht. Ist auch die Unterseite des Sockels vergoldet, spricht das für galvanische Vergoldung, weil sich das Abdecken dort nicht lohnte.4
Im Bestand Bärtiger Mann mit roter Kappe 500 € · A1063 Zinkguss
Zinkguss war im 19. Jahrhundert der preiswerte Ersatz für Bronze, in Berlin goss ihn Moritz Geiß seit etwa 1840 für Figuren und Bauornamente.5 Die Gießer setzten Zinkfiguren meist aus vielen kleinen Sandgussteilen zusammen und verlöteten sie mit Blei-Zinn-Lot. Bemalt hält man Zink leicht für Blei oder Gusseisen.6 An einer verdeckten, abgeriebenen Stelle zeigt Bronze ein gelbliches oder kupferfarbenes Metall, Zink ein silbriges Grau.7 Zink ist weit spröder als Bronze und verformt sich mit der Zeit unter dem eigenen Gewicht. Lötnähte sind oft gerissen, auch wenn die Figur heil aussieht.6 Bei einer Zinkfigur lohnt deshalb ein Blick auf die Nähte und auf die Standfläche.
Im Bestand Büste einer Erntegöttin, Zinkguss 750 € · 966 Gießereien und Auflagen
Gießereistempel geben Hinweise auf Ort und Zeit. Die Berliner Gießerei Gladenbeck, 1851 gegründet, goss die Viktoria der Siegessäule und brachte ab 1878 verkleinerte Güsse nach Bildhauermodellen als „Ladenbroncen“ in den Handel.8 Hermann Noack gründete 1897 seine Gießerei und zog 1899 nach Friedenau, viele Bildhauer, darunter Georg Kolbe, ließen bei ihm gießen.9 In Wien gab es um 1900 rund 50 Gießereien für Wiener Bronzen. Sie gossen in Auflagen von 10 bis 30 Stück und bemalten die Figuren in mehreren Schichten kalt.10 Ein Nachguss entsteht als Abformung einer vorhandenen Bronze. Er fällt durch die Schwindung etwas kleiner aus und übernimmt Schäden und Reparaturen der Vorlage.11
Im Bestand Griechischer Bogenschütze 689 € · A783 Gemälde prüfen
Keilrahmen mit Keilen in den Ecken, mit denen man die Leinwand nachspannen kann, gibt es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts.12 Im 19. Jahrhundert malten die Maler meist auf maschinell gewebtem Leinen, oft schon grundiert gekauft.13 Craquelé, das feine Rissnetz der Malschicht, entsteht vor allem durch wechselnde Luftfeuchtigkeit und sagt allein wenig über den Maler.14 Unter UV-Licht fluoresziert ein alter Naturharzfirnis, Retuschen erscheinen darin als dunkle Flecken.15 So lässt sich vor dem Kauf sehen, wo ein Bild überarbeitet ist.
Restauratoren retuschieren heute mit einem löslichen Bindemittel, das sich vom Original unterscheidet, damit man die Retusche wieder abnehmen kann.16 Gemälde lassen wir von geprüften Fachrestauratoren restaurieren. Für Bilder aus Ihrem Besitz erstellen wir Wertgutachten und erste Einschätzungen, mehr dazu unter Expertise & Werkstatt.
Im Bestand Herrenporträt mit Halskrause 1.200 € · A1055 Maler aus der Region
Neustrelitz war bis 1918 Residenz, und der Hof hatte eigene Maler. Daniel Woge, ein Schüler Antoine Pesnes, wurde 1752 Hofmaler bei Herzog Adolf Friedrich IV. und blieb bis zu seinem Tod 1797 in Neustrelitz. Werke von ihm besitzt das Staatliche Museum Schwerin.17 Der Landschaftsmaler Wilhelm Riefstahl kam 1827 in Neustrelitz zur Welt, studierte ab 1843 an der Berliner Akademie und leitete ab 1875 die Kunstschule in Karlsruhe. Sein „Allerseelentag im Bregenzer Wald“ von 1869 hängt in der Berliner Nationalgalerie.18
Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Mecklenburg zwei Künstlerkolonien. In Ahrenshoop ließ sich 1892 Paul Müller-Kaempff nieder und eröffnete 1894 eine Malschule,19 in Schwaan verbrachte Franz Bunke ab 1892 die Sommer, und Schüler und Kollegen aus Weimar folgten ihm.20 In Burg Stargard, nicht weit von Neustrelitz, lebte und malte ab 1921 die Landschaftsmalerin Marie Hager (1872–1947), die ab 1904 in Berlin gelernt hatte.21
Im Bestand Rinder am Waldteich 1.350 € · A1052 Anmerkungen
- Bourgarit, David/Bassett, Jane/Bewer, Francesca G./Heginbotham, Arlen/Lacey, Andrew/Motture, Peta: Guidelines for the Technical Examination of Bronze Sculpture. Hrsg., Los Angeles: J. Paul Getty Museum 2025, Kap. I.1. ↩
- Bourgarit/Bassett/Bewer/Heginbotham/Lacey/Motture (wie Anm. 1), Kap. I.8. ↩
- Bourgarit/Bassett/Bewer/Heginbotham/Lacey/Motture (wie Anm. 1), Kap. I.5. ↩
- Bourgarit/Bassett/Bewer/Heginbotham/Lacey/Motture (wie Anm. 1), Kap. I.7. ↩
- Geiß, Moritz. In: Deutsche Biographie. ↩
- Grissom, Carol A./Harvey, Ronald S.: The Conservation of American War Memorials Made of Zinc. In: Journal of the American Institute for Conservation 42 (2003), Nr. 1, S. 21–38. ↩
- PBS, Antiques Roadshow: When to Fix Metal Sculptures. ↩
- Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei: Bronzegüsse von Gladenbeck. Ausstellung 2003/04. ↩
- Noack, Hermann. In: Deutsche Biographie. ↩
- Sotheby’s London: The Orientalist Sale (L16100), Los 28. 2016. ↩
- Bourgarit/Bassett/Bewer/Heginbotham/Lacey/Motture (wie Anm. 1), Glossar „after-cast“. ↩
- KIK-IRPA Brüssel: Frames and supports in 15th and 16th-century Southern Netherlandish painting. ↩
- Carbonnel, Katrina Vanderlip: A Study of French Painting Canvases. In: Journal of the American Institute for Conservation 20 (1980), Nr. 1, S. 3–20. ↩
- Bucklow, Spike: The Classification of Craquelure. Hamilton Kerr Institute, University of Cambridge. ↩
- National Park Service: The Use of Ultraviolet Induced Visible-Fluorescence in the Examination of Museum Objects. Conserve O Gram 1/10, Dezember 2000. ↩
- The National Gallery, London: Glossary. Retouching. ↩
- Art. „Daniel Woge“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
- Holland, Hyacinth: Riefstahl, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 539–541. ↩
- Ketterer Kunst: Künstlerkolonie Ahrenshoop. Kunstlexikon. ↩
- Ketterer Kunst: Künstlerkolonie Schwaan. Kunstlexikon. ↩
- Hager, Marie. In: Deutsche Biographie. ↩
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