Klassizismus & Empire

Der Klassizismus greift auf die Antike zurück, mit geraden Korpussen, kannelierten Beinen, Girlanden und Perlstab. Dazu gehören der Zopfstil, das Louis-seize, der gustavianische Stil Schwedens und das Empire mit Mahagoni und feuervergoldeter Bronze. In Berlin setzte er sich ab 1790 unter dem Einfluss David Roentgens durch.

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Zopfstil und Louis-seize

Um 1760 dringen klassizistische Formen in das späte Rokoko ein. In Deutschland nennt man die Zeit bis etwa 1780/90 Zopfstil, denn Zopf war im frühen 19. Jahrhundert ein Wort für alles Unmoderne und Rückständige.1 In Frankreich heißt der Stil nach Ludwig XVI. Louis-seize. Die Korpusse werden gerade, an die Stelle der Rocaille treten Girlanden, Blütenkörbe, Fruchtstäbe und antike Motive.2 Gegen Ende des Jahrhunderts reduzierten die Tischler die Kommode auf geometrische Grundformen wie die halbrunde Demi-Lune.3 Ein Möbel mit gerader Front und noch leicht geschweiften Beinen gehört in die Übergangszeit.

Klassizistischer Dielenschrank, Louis-seize, Rüster, Schleswig-Holstein, um 1790 Im Bestand Louis-seize-Dielenschrank, Rüster 14.500 € · A851

Berlin um 1800

In Berlin verhalf erst der Einfluss David Roentgens ab 1790 dem klassizistischen Möbel zum Durchbruch. Nach der Französischen Revolution bauten die Berliner Tischler einfacher und kleiner. Roentgen hatte in den 1780er Jahren für Prunkstücke noch fünfstellige Summen verlangt, sein Nachfolger Hacker bekam 1797 für zwei reich garnierte Toilettenkommoden 580 Taler.4 Im Kunstgewerbemuseum Berlin steht eine Kommode von Johann Gottlob Fiedler aus den Jahren 1780 bis 1785, mit Mahagoni und Amaranth furniert, auf kannelierten Füßen in vergoldeten Bronzeschuhen. Ihr Amaranth war ursprünglich violettrot.5 Furniere haben über die Jahrhunderte ihre Farbe verändert, was heute braun aussieht, war oft deutlich farbiger.

Klassizistische Aufsatzkommode, Mahagoni, Schleswig-Holstein um 1785 Im Bestand Klassizistische Aufsatzkommode 3.700 € · A945

Empire

Das Empire ist nach dem Kaiserreich Napoleons benannt und hielt sich in Europa bis etwa 1830. Typisch sind gerade, strenge Formen mit reichem Schmuck, dazu Motive wie Adler, Lorbeerkränze, Trophäen und Säulen. Die Pariser Architekten Charles Percier und Pierre-François-Léonard Fontaine prägten den Stil, bekanntester Kunsttischler war François-Honoré-Georges Jacob-Desmalter.6 Ein mahagonifurniertes Empiremöbel kostete etwa das Doppelte eines Möbels mit einheimischem Furnier, und die feuervergoldeten Beschläge überstiegen meist noch die Kosten des Holzes.7 Ob ein Beschlag feuervergoldet ist, zeigt sicher erst der chemische Nachweis von Quecksilber im Gold. Die galvanische Vergoldung lohnte sich ab den 1840er Jahren.8 Mit dem Auge allein lässt sich das also nicht entscheiden.

Trumeau-Spiegel im Empire-Stil mit vergoldetem Adlerrelief, Frankreich Im Bestand Trumeau-Spiegel im Empire-Stil 850 € · A1051

Gustavianisch

In Schweden ist der Klassizismus nach König Gustav III. benannt, der sich nach seinem Besuch in Versailles 1771 am französischen Vorbild orientierte. Bekanntester Möbelkünstler war Georg Haupt. Die frühe Phase bis etwa 1785 hat feine Profile und runde, kannelierte Beine, die späte bis etwa 1810 vierkantige, oft schlichte Beine.9 An den Beinen lässt sich ein gustavianisches Möbel deshalb grob datieren.

Gustavianischer Stuhl, Stockholm um 1790, alte Farbfassung Im Bestand Gustavianischer Stuhl 700 € · A850

Hohenzieritz und Neustrelitz

Wenige Kilometer von Neustrelitz liegt Schloss Hohenzieritz. Den Innenausbau von 1795 im Zopf- und Empirestil leitete Wilhelm Ebel, und hier starb 1810 Königin Luise, die Tochter Herzog Carls.10 In Neustrelitz prägte der Schinkel-Schüler Friedrich Wilhelm Buttel ab 1823 als Hofbaumeister das Stadtbild, unter anderem mit dem Turm der Stadtkirche und dem Umbau der Orangerie.11 Wer den Klassizismus der Region im Original sehen will, findet ihn an beiden Orten.

Paar klassizistische Eckschränke aus massiv Ahorn, Deutsch, Mitte 19.Jhd. Im Bestand Paar klassizistische Eckschränke 4.290 € · A1067

Nachbauten

Louis-seize- und Empireformen baute man im 19. Jahrhundert in großer Zahl nach. Bei uns tragen solche Stücke den Zusatz „im Louis-XVI-Stil“ oder „im Empire-Stil“. Stammen sie aus dem 19. Jahrhundert, stehen sie unter Historismus & Gründerzeit. Unter Klassizismus & Empire führen wir nur Möbel aus der Zeit selbst.

Klassizistischer Stuhl, Kirschbaum, um 1810 Im Bestand Klassizistischer Stuhl, Kirschbaum 750 € · A737

Anmerkungen

  1. Ketterer Kunst: Kunstlexikon, Art. „Zopfstil“. ↩
  2. Ketterer Kunst: Kunstlexikon, Art. „Louis-seize“. ↩
  3. Art. „Kommode“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  4. Maurer, Golo: Rezension zu Achim Stiegel, Berliner Möbelkunst vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (München/Berlin 2003). In: sehepunkte 4 (2004), Nr. 3. ↩
  5. Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum: Johann Gottlob Fiedler, Frühklassizistische Kommode mit Medaillons und vergoldeten Bronzen, Berlin 1780/85. Objektdatenbank museum-digital:smb. ↩
  6. Ketterer Kunst: Kunstlexikon, Art. „Empire“. ↩
  7. Heise, Katrin: Sächsische und thüringische Biedermeiersekretäre. Weimar: VDG 2001, S. 14. ↩
  8. Oddy, Andrew: A History of Gilding with Particular Reference to Statuary. In: AIC Objects Specialty Group Postprints 3, 1995. ↩
  9. Art. „Gustavian style“. In: Wikipedia (englisch), abgerufen am 22.10.2026. ↩
  10. Art. „Schloss Hohenzieritz“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩
  11. Art. „Friedrich Wilhelm Buttel“. In: Wikipedia, abgerufen am 22.10.2026. ↩

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Epochen im Überblick
  1. 1650–1770 Barock & Rokoko 19 Stücke
  2. 1770–1830 Klassizismus & Empire 26 Stücke
  3. 1815–1848 Biedermeier 53 Stücke
  4. 1840–1900 Historismus & Gründerzeit 49 Stücke
  5. 1895–1914 Jugendstil 4 Stücke
  6. 1920–1940 Art Déco 5 Stücke
  7. 1945–1975 Mid-Century Modern 2 Stücke

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