Dekoration & Raritäten

In unseren Ausstellungsräumen stehen Glas, Porzellan und Silber, Uhren und viele Einzelstücke, die sich keiner anderen Abteilung zuordnen lassen.

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Wie liest man die Marke auf Meissener Porzellan?

Über die Form der Schwerter.

Meissen zeichnet seit den 1720er Jahren mit den gekreuzten Schwertern, verbindlich seit 1731. Ein Stern zwischen den Griffen steht für die Jahre 1774 bis 1814, Knäufe an den Griffen für die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1924, ein Punkt für 1924 bis 1934.1 Schleifstriche über den Schwertern bedeuten Weißware oder eine geringere Sortierung. Für das frühe Meissen bis 1810 vergleichen Händler und Auktionshäuser mit Rückert, für das 19. und 20. Jahrhundert mit Jedding.23

Meißen, große Jugendstil-Figurengruppe „Ziegenhirtin“ von Otto Pilz, um 1910 Im Bestand Meißen, „Ziegenhirtin“ von Otto Pilz 1.190 € · A872

Und die Marke von KPM?

Das kobaltblaue Zepter unter der Glasur, seit 1763.

Seit 1803 zeigt ein zusätzlicher Reichsapfel, dass die Manufaktur das Stück selbst bemalt hat. Fehlt er, stammt die Malerei meist von außerhalb. Ein Schleifstrich durch das Zepter kennzeichnet die zweite Sortierung. Die Form der Marke hilft beim Datieren, ein „S“ steht etwa für die Jahre 1944 bis 1957, als die Manufaktur nach Selb ausgelagert war.4 Vorsicht bei den Buchstaben „KPM“ ohne Zepter, die führte auch die Krister Porzellan-Manufaktur in Waldenburg.

Antike Porträttasse mit Untertasse (sogenannte Königin-Luise-Tasse) der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), verziert mit einem rosa Fond und einem Reliefporträt. Im Bestand Königin-Luise-Tasse, KPM 700 € · A1064

Woran erkennt man eine Kopie?

Oft an der Masse und an der Marke zugleich.

Die Pariser Firma Samson bildete von 1845 bis 1969 Porzellan im Stil von Meissen, Sèvres und Chelsea nach. Ihre Marke ließ sich entfernen und durch eine falsche ersetzen. Samson arbeitete in Hartporzellan, auch wo das Vorbild aus Weichporzellan war. Bei Porzellan im Stil des 18. Jahrhunderts lohnt deshalb der Blick auf die Masse und auf den unglasierten Standring.

Meissen, Porzellanfigur „Ada Cavendish als Julia“, um 1890 Im Bestand Meißen, „Ada Cavendish als Julia“ 1.150 € · A812

Was ist ein Ranftbecher?

Ein Glasbecher des Biedermeier mit dickem, vorstehendem Fuß, dem Ranft.

Die schönsten bemalten Samuel Mohn in Dresden, sein Sohn Gottlob Samuel und Anton Kothgasser in Wien mit transparenten Emailfarben, mit Ansichten, Blumen, Porträts und Spielkarten.5 In Böhmen brachte Friedrich Egermann farbige Gläser wie das Achatglas und das Lithyalin auf den Markt, das wie geschliffener Halbedelstein aussieht.6 Für Gläser dieser Zeit ist Pazaurek bis heute das Nachschlagewerk.7 Echte Kothgasser-Becher sind selten und teuer. Viele Becher im Handel stammen aus Werkstätten seiner Zeit oder sind spätere Nachahmungen.

Wie bestimmt man altes Silber?

Über Beschau- und Meisterzeichen.

Vor 1888 trägt deutsches Silber meist zwei Zeichen, die Beschau als Zeichen der Stadt und das Zeichen des Meisters, oft dazu die Lötigkeit. 12 Lot entsprechen 750 Tausendteilen, 13 Lot 812,5, 16 Lot wären reines Silber. Welche Stadt und welcher Meister dahinterstehen, schlägt man in den Markenwerken nach. Für Mecklenburg und Pommern, also Schwerin, Rostock, Güstrow oder Wismar, ist das Schefflers Band „Goldschmiede Mittel- und Nordostdeutschlands“.8 Für Berlin gibt es einen eigenen Band von Scheffler,9 für Hamburg Schliemann,10 für Augsburg Seling.11 Für alles Übrige greift man zum Rosenberg.12 Auktionshäuser nennen bei Silber genau diese Nummern.

Was bedeuten 800 oder 90 auf einem Löffel?

Die 800 steht für Silber mit 800 Tausendteilen, die 90 für versilberte Ware.

Seit dem 1. Januar 1888 gilt das Feingehaltsgesetz. Silber darf seitdem nur mit 800 oder mehr Tausendteilen gestempelt werden, zusammen mit dem Firmenzeichen. Versilberte Bestecke tragen stattdessen eine Zahl für die Silberauflage.13 Dazu kommen bei Silber meist Halbmond und Krone. Eine 90 oder 100 bedeutet 90 oder 100 Gramm Silber auf 24 Quadratdezimeter Fläche. Für alte Bestecke und ihre Formen ist Amme das Standardwerk.14

Wer hat diese Uhr gebaut?

Das steht oft auf Zifferblatt oder Werk.

Auf dem Zifferblatt steht allerdings manchmal der Händler, der Hersteller eher auf dem Werk. Für die Namen hilft der Abeler, er verzeichnet über 14.000 Uhrmacher aus dem deutschen Sprachgebiet.15 Für Typ und Bauweise deutscher Uhren ist Maurice das Standardwerk.16 Wiener Wand- und Bodenstanduhren sind seit Kurzem bei Andréewitch, Graef und Archard zusammengestellt, auch die Wiener Rahmenuhr mit vergoldetem Holzrahmen und geprägter Messingfront, die um 1815 aufkam.17 Bei französischen Pendulen kaufte der Bronzier das Werk meist fertig zu. Werk und Gehäuse stammen dann aus verschiedenen Werkstätten. Die figürlichen Bronzeuhren sind bei Niehüser nach ihren Darstellungen geordnet.18 Woran man eine Feuervergoldung erkennt, steht unter Kunst.

Biedermeier-Rahmenuhr, Wien um 1840 Im Bestand Biedermeier-Rahmenuhr, Wien 1.190 € · A563

Quellen (18)

  1. Walcha, Otto: Meißner Porzellan. Dresden: Verlag der Kunst 1973. ↩
  2. Rückert, Rainer: Meissener Porzellan 1710–1810. Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München: Hirmer 1966. ↩
  3. Jedding, Hermann: Meissener Porzellan des 19. und 20. Jahrhunderts 1800–1933. München: Keyser 1981. ↩
  4. Köllmann, Erich/Jarchow, Margarete: Berliner Porzellan, Bd. 1. Textband. München: Klinkhardt & Biermann, 2. Aufl. 1987. ↩
  5. Lichtenberg, Paul von: Mohn & Kothgasser. Transparent bemalte Gläser des Biedermeier. München 2009. ↩
  6. Das Böhmische Glas 1700–1950. 6 Bde., Ausst.-Kat. Passauer Glasmuseum, Passau 1995. ↩
  7. Pazaurek, Gustav E./Philippovich, Eugen von: Gläser der Empire- und Biedermeierzeit. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann 1976. ↩
  8. Scheffler, Wolfgang: Goldschmiede Mittel- und Nordostdeutschlands. Von Wernigerode bis Lauenburg in Pommern. Daten, Werke, Zeichen. Berlin/New York: de Gruyter 1980. ↩
  9. Scheffler, Wolfgang: Berliner Goldschmiede. Daten, Werke, Zeichen. Berlin: Hessling 1968. ↩
  10. Die Goldschmiede Hamburgs. Hg. von Erich Schliemann, 3 Bde., Hamburg 1985. ↩
  11. Seling, Helmut: Die Kunst der Augsburger Goldschmiede 1529–1868. 3 Bde., München: Beck 1980. ↩
  12. Rosenberg, Marc: Der Goldschmiede Merkzeichen. 3. Aufl., 4 Bde. Frankfurt am Main: Frankfurter Verlags-Anstalt 1922–1928. ↩
  13. Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren vom 16. Juli 1884. In Kraft seit 1. Januar 1888. ↩
  14. Amme, Jochen: Historische Bestecke. Stuttgart: Arnoldsche 2002. ↩
  15. Abeler, Jürgen: Meister der Uhrmacherkunst. Über 14.000 Uhrmacher aus dem deutschen Sprachgebiet. Wuppertal 1977, 2. Aufl. 2010. ↩
  16. Maurice, Klaus: Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum. 2 Bde., München: Beck 1976. ↩
  17. Andréewitch, Stephan/Graef, Alexander/Archard, Paul: Die Wand- und Bodenstanduhren der Habsburgermonarchie 1780–1850. 2 Bde., Stuttgart: Arnoldsche 2023. ↩
  18. Niehüser, Elke: Die französische Bronzeuhr. Eine Typologie der figürlichen Darstellungen. München: Callwey 1997. ↩

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